Dr. Jürgen Nielsen-Sikora

 

Leseempfehlungen 2009/2010

                                          

 

"Ich trage das blaue Buch überall mit mir herum und spreche von nichts anderem. Nicht nur ich, sondern auch andere Leute strahlen vor Vergnügen, wenn sie es sehen."

(Walter Benjamin an Alfred Cohn, 1927)

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Diaphanes Verlag: Unbedingte Universitäten

Wer Hintergrundinformationen zur Umstrukturierung im europäischen Hochschulraum haben möchte, kommt an diesen Bänden wohl nicht vorbei.


Siri Hustvedt: Die zitternde Frau. Rowohlt.

Siri Hustvedt in einer herausragenden Doppelrolle als Selbstbeobachterin und Rezipientin der Neurobiologie.


Jean Baudrillard: Im Schatten der schweigenden Mehrheit

Baudrillard packt wieder einmal das soziologische Seziermesser aus. Radikal und kon-genial: Das Soziale ist bestenfalls noch Lockmittel, Hypothese und zu verwaltender Rest; der Mensch dessen Abfallprodukt, gehalten in einem „zufälligen Gravitationsfeld“ – seinem „sozialen“ Netzwerk, nicht gewillt, anzuerkennen, dass eben das Soziale dieses Netzwerks im Raum der totalen Simulation wegstirbt.


Bernd Stiegler: Reisender Stillstand

Stiegler erzählt auf unnachahmliche Weise die Geschichte der Reisen "im und um das Zimmer herum" von Xavier de Maistre bis in die Gegenwart.


Dimitré Dinev: Barmherzigkeit. Residenz Verlag.

Vier starke Essays, die die Reihe "Unruhe bewahren" eröffnen.


Miriam Gebhardt: Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen. Eine Geschichte der Erziehung im 20. Jahrhundert. DVA München.

Rekonstruktion vorherrschender Sozialisationsmuster in der bürgerlichen Erziehungswelt des letzten Jahrhunderts. Eine historische Arbeit, die der aktuellen Diskussion neue Impulse verleiht.


Robert Menasse: Permanente Revolution der Begriff. Suhrkamp Ffm.

Reflektierte Welt auf allerhöchstem Niveau!


Kirsten Boie: Seeräubermoses. Oetinger Hamburg.

Wild tost die See und der Sturm braust auf. Verdammich: Ein Piratenabenteuer nicht nur für Kinder! 


Jean-Michel Palmier: Walter Benjamin. Suhrkamp Frankfurt a.M. 

Wegweisende Biografie des 1998 verstorbenen französischen Kunsthistorikers nun in deutscher Übersetzung.


Jean Rolin: Boulevard Ney. Berlin Verlag.

Zum Buch gibt es von mir eine Rezension auf den Seiten von Glanz und Elend. Einfach den Titel anklicken.


Detlev Ganten u.a.: Die Steinzeit steckt uns in den Knochen. Gesundheit als Erbe der Evolution. Piper, München.

 

Das Buch gibt verblüffende Einblicke in die Geschichte unseres Körpers, und erklärt, welchen evolutionären Ballast wir (von Fischen, Reptilien und Affen) mit uns herumtragen. Für Mediziner und Nicht-Mediziner ein gleichermaßen großes Lesevergnügen.


Ferdinand von Schirach: Verbrechen. Stories. Piper, München.

Fast unglaubliche Kriminal-Stories, besser und vor allem spannender als jeder Tatort, nur nichts für sanfte Gemüter.


Ernst Elitz: Ich bleib dann mal hier. Beck, München.

Eine humorvolle und kritische Bestandsaufnahme der deutschen Gesellschaft. Wer einmal lesen möchte, was er selber über unser Land denkt, der greife zu Elitz.


L. Frank Baum: Der Zauberer von Oz. Insel, Frankfurt.

Mein absolutes Lieblingsbuch seit Kindertagen in neuer und ausgezeichneter Übersetzung.


Robert Misik: Politik der Paranoia. Gegen die neuen Konservativen. Aufbau, Berlin.

Der Titel sagt alles. Wer noch immer meint, die FDP sei eine ernsthafte politische Alternative, wird hier eines Besseren belehrt.


Slavoj Zizek: Auf verlorenem Posten. Suhrkamp, Frankfurt.

Der Meister holt uns genau von dort wieder weg: Reanimation des totgeglaubten Gespensts, nicht immer leicht, aber allemal lesenswert.


Jörg Fauser: Strand der Städte. Gesammelte journalistische Arbeiten 1959-1987. Alexander, Berlin.

Vielleicht das Buch des Jahres. Fauser ist unsterblich, wird aber leider viel zu wenig gelesen.


Navid Kermani: Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime. Beck, München.

Kermani ist wie immer auf der Höhe der Zeit und schreibt auf ebenso hohem Reflexionsniveau.


Nils Minkmar: Mit dem Kopf durch die Welt. Ganz persönliche Geschichten aus der Normailtät. S. Fischer, Frankfurt.

Schon allein die Einführung lohnt, sich mit Minkmars "Personal Essays" zu beschäftigen. Ich empfehle vor allem aber: "Das Paket" und "Politik als Hobby".