Dr. Jürgen Nielsen-Sikora

 

Projekt



Walter Benjamins Verständnis von Moderne, aber auch von Fortschritt und Geschichte, sind nicht nur von zentraler Bedeutung für das europäische Geistesleben des 20. Jahrhunderts – sie sind aktueller denn je, und die Auseinandersetzung mit seinem Werk führt nicht zuletzt zu wichtigen Impulsen und Denkanstößen für das Verständnis unserer gegenwärtigen Welt. Benjamins Schriften sind insofern vor allem eines – Schlüsseltexte der gegenwärtigen Moderne, wenn »modern« in der Bedeutung von gegenwärtig und neu gelesen wird.

Die europäische Moderne trägt die Flüchtigkeit bereits in ihrem Namen. Es ist das Zufällige, Kontingente, nicht Fassbare. Mit Walter Benjamin gilt es, in dieser Unfassbarkeit ein geschärftes Bewusstsein für die Krisen, in die die Subjekte der Geschichte vor allem durch den Prozess der Moderne eingetreten sind, zurückzugewinnen und eine die Gegenwart transformierende, sozialkritische Erinnerungsarbeit zu leisten. Benjamin spricht in diesem Zusammenhang von dem unwiederbringlichen Bild der Vergangenheit, das mit jeder Gegenwart zu schwinden drohe. Aufgabe des Historikers sei es aus dem Grunde, zu einem Begriff der Geschichte zu kommen, der diesem Zustand gerecht werde. So genügt es nicht mehr, die Masse der Fakten bloß zu rekonstruieren. Denn sie bilden nur noch die Last der ersten Schale auf der Waage der Geschichte. Die andere Schale birgt die Erkenntnis der Gegenwart. »Während auf der ersten die Tatsachen nicht unscheinbar und nicht zahlreich genug versammelt sein können, dürfen auf der zweiten nur einige wenige schwere, massive Gewichte liegen.«

Welche geschichtswissenschaftlichen Gewichte könnten dies heute sein?